Das künstliche Kniegelenk

Nach Ausschöpfen der konservativen Therapiemaßnahmen (Schmerzmitteleinnahme, Infiltrationen, Akkupunktur, Physiotherapie...) und ggf. auch nach Ausschöpfen von gelenkerhaltenden operativen Maßnahmen (Arthroskopie-„Knie-Spiegelung“) ist bei entsprechenden Beschwerden eine Gelenkersatzoperation indiziert.

Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn trotz der oben genannten Therapiemaßnahmen ein schmerzarmes Laufen oder eine ausreichende Gelenk-Beweglichkeit nicht mehr gewährleistet ist, so dass die Alltagsmobilisation deutlich eingeschränkt ist oder sogar quälende Ruheschmerzen bestehen.

Abbildung 1: Röntgen gesundes Knie (links) und Fortgeschrittene Arthrose (rechts)

Abbildung 2: Operationsplanung

 

Sollten sie zu dieser Patientengruppe gehören, so bieten wir Ihnen die Möglichkeit, sich in unserer Endoprothesen-Sprechstunde vorzustellen.

Im Rahmen dieser Sprechstunde erfolgt nach der Anamneseerhebung und der fachärztlichen klinischen Untersuchung die Sichtung der freundlicherweise mitzubringenden vorhandenen Röntgenbilder. In Einzelfällen wird im Rahmen der Sprechstunde auch die Röntgendiagnostik ergänzt. Weitere Untersuchungen wie z.B. eine Computer-/ oder Kernspintomographie (CT / MRT) sind nur in Ausnahmefällen nötig.

Nach Erhebung aller Befunde beraten wir sie ausführlich über ihr Krankheitsbild und die möglichen Therapieoptionen. Sollten sie sich nach Indikationsstellung für eine Kniegelenksersatzoperation entscheiden besteht die Möglichkeit direkt aus der Sprechstunde heraus einen Operationstermin zu vereinbaren.

An einem Termin in den Tagen vor der Operation werden weitere erforderliche Untersuchungen durchgeführt (Aufnahmegespräch und Untersuchung, Operationsaufklärung, Anästhesieuntersuchung/Aufklärung durch den Narkosearzt, Labor, EKG, Röntgen...), um sie bestmöglich für die Operation vorzubereiten und so das Operationsrisiko zu minimieren. Wir bitten sie daher auch vorhandene Fremdbefunde (vom Hausarzt, Internisten oder z.B. Kardiologen) zum Anästhesiegespräch mitzubringen. Diese Untersuchungen finden in der Regel prästationär statt, so dass sie bequem erst am Operationstag im Krankenhaus „einzuchecken“ brauchen.

Als EndoprothetikZentrum der Maximalversorgung besteht in unserer Abteilung eine ausgewiesene Expertise auf dem Gebiet der Gelenkersatzoperationen am Kniegelenk, so dass wir eine breite Palette an endoprothetischen Versorgungsmöglichkeiten beherrschen und anbieten können.

Da jedes Kniegelenk unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich Beschwerdesymptomatik und Anatomie mitbringt ist es selbstverständlich, dass das Gelenk stets individuell betrachtet wird und das jeweils passende Operationsverfahren und Implantat sorgfältig ausgewählt wird. 

Um bereits im Vorfeld auf alle „Eventualitäten“  vorbereitet zu sein führen wir stets eine computergestützte Operationsplanung anhand der bei uns angefertigten Röntgenbilder durch. Im Rahmen dieser Planung erfolgt auch die Festlegung auf das bestmöglich passende Implantat.

Abbildung 3: Anatomie des Kniegelenkes

Das Kniegelenk besteht anatomisch aus mehreren Gelenkanteilen. V.a. von endoprothothetischer Bedeutung ist der innere (mediale) und äußere (laterale) Gelenkspalt sowie die Gleitfläche der Kniescheibe (Patella) auf der Oberschenkelrolle (Kondyle).

Bei einigen Patienten, besonders in der Frühphase der Arthrose, besteht der Verschleiß nur in einem dieser Kompartimente. Sinnigerweise sollte nach Möglichkeit auch nur dieser Bereich mit einem künstlichen Ersatz „überzogen“ werden und der restliche, intakte Gelenkanteil erhalten werden. Dies ist in der Regel dann möglich, wenn die anderen Gelenkkompartimente keine höhergradige Arthrose aufweisen, der Bandapparat des Kniegelenkes intakt ist und keine hochgradige Achsdeformität/Bewegungseinschränkung besteht.
Sind die o.g. Bedingungen erfüllt wäre die Implantation einer so genannten „Schlittenprothese“ (oder auch unikondylärer Gelenkersatz genannt) eine Operations-Option.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die gesunden Gelenkflächen können erhalten werden und somit kann knochensparend operiert werden. Auch ist das Operationstrauma bedingt durch die geringe Größe des Implantates und den kleineren Zugangsweg vermindert und daher mit einer schnelleren Rekonvaleszenz zu rechnen. Der Krankenhausaufenthalt ist normalerweise auf 5-6 Tage nach der Operation beschränkt.

Sollte es später zu einem zunehmenden Verschleiß in anderen Gelenkbereichen kommen, so ist ein Wechsel von einer Schlittenprothese auf eine Standartprothese (Totalendoprothese) in der Regel problemlos möglich.

Abbildung 4a: Röntgen Schlittenprothese von vorn und seitlich, Schema der Schlittenprothese

Abbildung 4b: Schema der Schlittenprothese, rechts (Quelle: Waldemar Link GmbH & Co. KG)

In den meisten Fällen betrifft die fortgeschrittene Arthrose nicht nur einen Gelenkanteil sondern mehrere und geht nicht selten mit einer zunehmenden Achsabweichung oder Bewegungsdefizit einher. In dieser Situation kann die Schlittenprothese die gestellten Anforderungen nicht mehr erfüllen. Hier ist wird die Implantation einer „Vollprothese“ (bicondyläre Totalendoprothese) nötig

Knochensparend werden hierbei die verschlissenen Gelenkanteile des Schienbeinkopfes und der Oberschenkelrollen reseziert und anschließend durch die Prothese ersetzt. Dieser Prothesentyp setzt ebenfalls intakte Seitenbandverhältnisse voraus.

Während die Prothese selbst  dabei aus einer speziellen, stabilen Metalllegierung besteht und den Knochen „überzieht“ wird der Gelenkspalt als Gleitfläche mit einer modernen Kunststoff-einlage ersetzt. Eine ständig sich weiterentwickelnde Materialkombination, die sich über Jahrzehnte etabliert hat.

Die Verankerung im Knochen wird über das Auftragen einer sparsamen Knochenzementschicht erreicht. Eine zementfreie Verankerung der Knieprothesen zeigt im Gegensatz zu den Hüftprothesen in Langzeitbeobachtungen eine höhere Lockerungsrate und bleibt daher nur wenigen Ausnahmefällen vorbehalten.

Bei Patienten mit nachgewiesener Metallallergie haben wir, wenn gewünscht, die Möglichkeit auf ein speziell beschichtetes Implantat zurückzugreifen.
Bereits am Tag nach der Operation erfolgt die Mobilisation aus dem Bett heraus, so dass sie bis zum Entlassungszeitpunkt nach ca. 8-10 Tagen in der Lage sind sich selbständig an Unterarmgehstützen unter Vollbelastung fortzubewegen. Darauffolgend empfehlen wir eine Reha-Maßnahme von 2-3 Wochen unter ambulanten oder stationären Bedingungen. Diese wird auf ihren Wunsch hin von unserem Rehaberatungsteam angemedet und terminiert.

Abbildung 5a: Arthrose Knie vor OP implantierte Prothese

5b: Schema einer Knie-Totelendoprothese

Immer wieder kommt es vor, dass Patienten mit einer sehr ausgeprägten Achsfehlstellung, instabilen Bandverhältnissen oder mit einem knöchernen Defekt (z.B. nach einem Unfall) auf eine endoprothetische Versorgung angewiesen sind. 
Während die o.g. Prothesentypen in der Regel nicht für ein solches Patientenklientel ausgelegt sind, können wir jedoch auch hier eine optimale Versorgungsstrategie anbieten.

Für einen solchen Fall halten wir Prothesen mit einer höhergradigen Gelenkstabilisierung vor.

Zum einen kann diese Stabilität durch eine spezielle Prothesenform mit stabilisierendem Kunststoffgleitlager erreicht werden, zum anderen werden achsgeführte Prothesen mit einem verlängerten Verankerungsstiel im Oberschenkel- und Unterschenkelknochen angewandt. Diese Art von Prothesen kommen auch häufig zur Anwendung, wenn ein Prothesenwechsel ansteht.

Abbildung 6a: Röntgenbild vor OP und nach OP

Abbildung 6b: Knieendoprothese

In der Regel führen wir unsere Prothesenimplantationen mit computernavigierter Unterstützung (LINK) durch. Dadurch lässt sich der bestmögliche Prothesensitz kontrollieren und umsetzen.

 

* Abbildungen 3, 4b (links), 5b und 6b mit freundlicher Genehmigung der Fa. Zimmer Germany GmbH