Unsere Geschichte beginnt Anfang des
19. Jahrhunderts

Zu dieser Zeit herrschte eine große soziale Not im extrem wachsenden Arbeiterviertel Derendorf. Daher gründete der engagierte Pfarrer Heinrich Saedler beherzt einen Caritativen Dienst zur Begrenzung des Elends. Er fand Unterstützung bei den Vinzentinerinnen aus Köln, die sich fortan der ambulanten Kranken- und Altenpflege in Düsseldorf widmeten.

In Kürze wurden verschiedene Einrichtungen zur Unterstützung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen gegründet. In diesem Zusammenhang wurde auch eine erste gynäkologische Station für mittellose Frauen ins Leben gerufen, das so genannte „Vinzenz-Haus". Dieses war der Grundstein für das heutige St. Vinzenz-Krankenhaus.

Unsere Chronik  
1894 Gründung des Hauses durch die Vinzentinerinnen
1898-1914 Erweiterungsarbeiten: Im Endausbau über 185 Betten
1948 Gründung der Krankenpflegeschule
1963 Grundsteinlegung zum heutigen Krankenhaus
1966 Eröffnung des neuen Krankenhausgebäudes
1993 Eröffnung des neuen OP-Trakts
1994 100-Jahr-Feier mit einer Vielzahl von Aktivitäten
1998 Gründung des Schmerztherapeutischen Zentrums
1999 Gründung des Fördervereins
2004 Eingliederung des Krankenhauses in den neu gegründeten Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD)

Unser Namensgeber: Der Heilige Vinzenz und die Vinzentinerinnen

Der Heilige Vinzenz

Geboren wird Vinzenz 1581 in dem kleinen Ort Pouy, der sich seit 1828 „St. Vincent de Paul" nennt, als Sohn eines Bauern.

Als Sechzehnjähriger schreibt er sich an der Theologischen Fakultät von Toulouse ein und wird schon mit neunzehn Jahren 1600 zum Priester geweiht. Für den Priesterberuf selbst interessiert er sich eher weniger. Sein ganzes Streben gilt einer einträglichen und sorglosen Pfründe. Erst nach mehr als zehn Jahren erkennt er nach einer Glaubenskrise, bestärkt durch eine schwere Krankheit, sein eigentliches Ziel: den Armen die Frohbotschaft zu bringen.

1617 hält er seine erste Missionspredigt in Folleville, 1625 gründet er die Missionskongregation, 1632 den Lazaristenorden, 1633 - gemeinsam mit Louise de Marillac - die „Filles de la Charité", die heutigen Vinzentinerinnen. Sein Aufstieg ist jetzt nicht mehr aufzuhalten. 1643 beruft ihn die Königin in den Gewissensrat („Conseil de conscience") und der sterbende König läßt sich von Vinzenz auf den Tod vorbereiten. Berühmte Bischöfe rühmen sich, seine Schüler gewesen zu sein. Im Alter von 72 Jahren ist er sozusagen „Staatsminister für das Flüchtlingswesen", allerdings ohne Auftrag der Regierung.

Zehntausende Findelkinder haben er und seine Helfer vor dem sicheren Tod gerettet, hunderttausende Arme und Hungrige wurden in seinen Suppenküchen gespeist und getröstet. Ungefähr ein Sechstel der französischen Geistlichen zwischen 1628 und 1660 fanden dank seiner Seminare und Predigtwochen zu einem neuen, vertieften Berufsbild.

1660, im Alter von 79 Jahren, stirbt Vinzenz von Paul in Paris. Er wird 1737 heiliggesprochen und 1885 zum „Patron aller Vereinigungen christlicher Barmherzigkeit" ernannt. Sein großes Werk wirkt bis heute fort.

Lebenswerk

Vinzenz von Paul wurde nicht als Heiliger geboren. Als Bauernsohn sucht er einen Beruf, der ihm ein sorgloses Einkommen sichert und entscheidet sich deshalb für die Priesterlaufbahn, ohne die Erfordernisse des Amtes zu kennen. Erst nach Jahren der praktischen Arbeit macht er eine Glaubenskrise durch, die ihn seine eigentliche Aufgabe entdecken läßt: den Armen und Hilfsbedürftigen zu helfen und die frohe Botschaft zu bringen.

Seine besondere Sorge gilt der ungebildeten Landbevölkerung, den Galeerensträflingen und den Findelkindern, von denen es in dieser Zeit in Paris Tausende gegeben hat. Er erkennt jedoch sehr schnell, dass von spontaner Hilfsbedürftigkeit in Notsituationen nicht viel übrigbleibt und beginnt deshalb, die Hilfsmaßnahmen professionell zu organisieren. Er gründet unzählige Bruderschaften, Vereine, Priesterseminare, Asyle für Geisteskranke, Kinderheime und Krankenhäuser. Seine populärste Gründung sind die „Fille de la Charité", die Vinzentinerinnen.

In den 50er Jahren des 17. Jahrhunderts bricht in Frankreich der Bürgerkrieg aus. Eine Zeit voll von unerhörtem Elend und unvorstellbarer Not beginnt. Vinzenz entwirft eine Gesamtstrategie, einen Generalstabsplan, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren und der Not zu Leibe zu rücken. Jetzt zeigt sich der Vorteil der organisierten Hilfsmaßnahmen, alles vollzieht sich nach einem genauen Plan.

Nach diesem großen Erfolg wird Vinzenz zu einer nationalen Gestalt in Frankreich. Noch heute gilt er als eine Art Nationalheiliger, eine ernsthafte Konkurrenz zu Jeanne d`Arc. Er stirbt 1660 im achtzigsten Lebensjahr und wird 1737 heiliggesprochen.

Heute

Einige Initiativen von Vinzenz sind zeitgebunden, vereinzelte Stellungnahmen nur aus der Situation der Zeit und der zeitgebundenen Auffassungen über den Menschen verständlich. Zeitlos gültig und exemplarisch ist die Grundstruktur seiner Frömmigkeit: der unmittelbare Übergang der Gottes- zur Nächstenliebe.

Die Verpflichtung des Christen zum Handeln bleibt heute wie damals gleich. Diesen Imperativ hat Vinzenz von Paul so zusammengefasst:

„Lieben wir Gott, meine Brüder, aber auf Kosten unserer Arme, im Schweiße unseres Angesichts. Denn sehr oft bleiben gute Gefühle der Gottesliebe und fromme Anwandlungen sehr verdächtig, obwohl sie aus gutmeinendem Herzen kommen und nichts Verwerfliches an sich haben, wenn sie nicht zur Praxis der tätigen Liebe führen. Darin, sagt unser Herr, wird mein Vater verherrlicht und werdet ihr viele Früchte bringen. Darauf müssen wir achten, denn es gibt so viele, die, nach außen kirchlich korrekt und innerlich von großen Gefühlen beschwingt, dabei stehen bleiben. Wenn es zum Handeln kommt, dann sind sie nicht mehr da.

Sie [...] wissen über all das Wie mit Engelszungen zu reden, aber wenn es darauf ankommt, für Gott zu arbeiten, zu leiden, zu verzichten [...], dann sind sie nicht mehr da, dann machen sie nicht mehr mit. Nein und abermals nein! Täuschen wir uns nicht: Unsere ganze Aufgabe liegt darin zu handeln."

Die Vinzentinerinnen

Die Vinzentinerinnen blicken auf eine über dreihundertjährige Tradition zurück. Sie wurden im Jahre 1633 in Paris von der Hl. Marie Louise de Marillac und dem Hl. Vinzenz von Paul gegründet, um junge Frauen und Mädchen vom Land für das geistliche Leben und den Dienst am Kranken zusammenzuschließen. Sie nennen sich bis heute „Töchter der christlichen Liebe" (Filles de la Charité), werden aber - vor allem in Deutschland - meist „Vinzentinerinnen" genannt. Von Paris aus, wo sich auch heute noch das Mutterhaus befindet, begannen die Töchter der christlichen Liebe die Ideen des Hl. Vinzenz von Paul in alle Welt zu tragen.

Der Hl. Vinzenz wollte diese Frauengemeinschaft nicht als Ordensgemeinschaft organisieren. Weder Ordenstracht noch feierliches Gelübde schienen ihm für die Aufgabe angebracht: „Als Euer Kloster habt Ihr die Krankenhäuser, als Zelle Eure Mietzimmer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Straßen der Stadt, als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Todesfurcht und als Schleier die Demut. Als Beruf das Vertrauen in Gottes Vorsehung, die Hingabe all dessen, was Ihr besitzt."

Für ein Jahr verpflichtet sich die Vinzentinerin, der Gemeinschaft zu dienen. Nach jedem Jahr kann sie sich und ihre Entscheidung in Freiheit und Liebe neu prüfen und ihr Versprechen der Keuschheit, der Armut, des Gehorsams und des Armendienstes verlängern oder die Gemeinschaft verlassen.

Eine religiöse Frauengemeinschaft, deren Mitglieder sich frei in der Öffentlichkeit bewegen durften und die weder ewiges Gelübde noch Klausur kannten, war in der katholischen Kirche wegweisend. Diese radikale Modernität und Weltoffenheit ist noch immer eines der herausragenden Merkmale des vinzentinischen Geistes. Immer wieder hinterfragen die „Töchter der christlichen Liebe" in Versammlungen und Begegnungen ihr Tun und Lassen. Veränderte Lebensbedingungen und neue gesellschaftliche Probleme werden so schnell erkannt und als Arbeitsfelder der Vinzentinerinnen neu definiert.

Durch ihre aktive Mithilfe bei der Linderung von Leid, Armut und Not tragen die Töchter der christlichen Liebe den vinzentinischen Geist in die Bevölkerung und bewahren sich den Bezug zu den aktuellen Problemen unserer Zeit.

Wie kamen die Vinzentinerinnen nach Deutschland?

Vier Priester aus Köln zogen 1850 nach Paris, um dort die Arbeitsweise des Lazaristenordens, einer anderen Gründung des Vinzenz von Paul, kennen zu lernen und dessen seelsorgerische Methoden auch in Deutschland einzuführen. Sie hatten sich von der vinzentinischen Idee der Glaubensverkündigung anstecken lassen. 1850 begannen sie auf rheinischem Boden mit ihrem pastoralen Wirken und ihnen folgten 1852 vier Vinzentinerinnen. Das Wirken des Hl. Vinzenz nimmt also von Köln aus seinen Lauf.

 

Wie kamen die Vinzentinerinnen nach Düsseldorf?

So, wie sie fast immer neue Aufgaben übernahmen: sie wurden gerufen und um Hilfe gebeten. Anfang des 19. Jahrhunderts war Derendorf ein explosionsartig wachsender Stadtteil von Düsseldorf, der große Scharen von Arbeitssuchenden anzog. Die Pfarrei „St. Dreifaltigkeit" hatte über 12.000 Mitglieder. Zu ihrem „Sprengel" gehörten etwa zwei Drittel des heutigen Düsseldorf! Die soziale Not in dieser Gemeinde war zwar noch überschaubar, aber mit reiner Nachbarschaftshilfe und den staatlichen Einrichtungen alleine nicht mehr zu bewältigen. So versuchte der damalige Pfarrer Heinrich Saedler Abhilfe zu schaffen, indem er einen Caritativen Dienst ins Leben rief, der vor Ort die direkte Not lindern sollte. Er rief die Vinzentinerinnen aus Köln, bot ihnen eine Unterkunft und so begannen die Schwestern mit der ambulanten Kranken- und Altenpflege in Düsseldorf. Schon nach kurzer Zeit entstanden ein Asyl für jugendliche Arbeiterinnen und weibliche Strafgefangene, eine Kinderbewahr- und Sonntagsschule, eine Suppenküche für Mittellose und vor allem eine kleine gynäkologische Medizinalstation, in der arme Frauen unentgeltlich behandelt und operiert werden konnten. Aus dieser Station, dem „Vinzenz-Haus", entstand das heutige St. Vinzenz-Krankenhaus.

 

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