Eingeweidebrüche (Hernien) sind ein häufiges chirurgisches Krankheitsbild. Rund zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden an dieser Erkrankung. In 3/4 der Fälle liegen Leistenbrüche vor (ca. 150.000/Jahr bundesweit). Bei einem Leistenbruch handelt es sich um eine sackartige Ausstülpung des Bauchfells durch eine Lücke in der Bauchdecke im Bereich der Leiste. Eingeweideteile (Darm, Bauchfett, Eierstock, etc.) können durch diese Lücke aus dem Bauchraum austreten und somit zu Beschwerden führen.

 

Risiken, Symptome und Operationsverfahren

Welche Risikofaktoren gibt es?

Anatomisch vorgegebene oder anlagebedingte Schwachstellen der Bauchdecken können zu einem Bruch führen. Chronische Erhöhung des Druckes in der Bauchhöhle im Bereich der Leiste (z. B. durch Husten, Verstopfung, Blasenentleerungsstörungen z. B. bei vergrößerter Prostata, schwere körperliche Arbeit, Schwangerschaft) begünstigen ein Auftreten. Aufgrund des Durchtritts des Samenstranges beim Mann im Bereich der Leiste und der somit bedingten Schwachstelle treten Leistenbrüche bei Männern deutlich häufiger auf (9:1).

Wie macht sich ein Leistenbruch bemerkbar?

Leitsymptom ist ein ziehender oder stechender Schmerz in der Leistengegend, der vor allem bei körperlicher Aktivität auftritt. Eine Schwellung ist oft tastbar, bei größeren Leistenbrüchen auch deutlich sichtbar.

Was muss untersucht werden, wenn der Verdacht auf einen Leistenbruch vorliegt?

Bei der körperlichen Untersuchung durch einen Arzt kann in den meisten Fällen ein Leistenbruch erkannt werden. Gelegentlich ist eine Ultraschalluntersuchung notwendig.

Wann sollte ein Leistenbruch operiert werden?

Jeder Leistenbruch sollte operiert werden, denn es besteht prinzipiell die Gefahr einer Darmeinklemmung (Inkarzeration). Dies kann einen Darmverschluss zur Folge haben. Eine Schwellung in der Leiste, die sich auch im Liegen nicht alleine oder durch sanften Druck zurückbildet und/oder anhaltende Schmerzen sind Symptome für einen eingeklemmten Leistenbruch. Hierbei besteht die Notwendigkeit einer sofortigen Operation.

 

Welche Operationstechniken gibt es?

1. Offene Operationstechnik mit einem Schnitt in der Leiste a) ohne Netzimplantation b) mit Netzimplantation

2. Minimalinvasive Operationstechnik (Schlüssellochverfahren) 
a) TAPP-Technik (Trans-Abdominale-Präperitoneale-Netzimplantation) 
b) TEP-Technik (Total-Extraperitoneale Netzimplantation)

1. Offene Operationstechnik

Die Bruchlücke wird in der offenen Operationstechnik ohne Netz durch Zusammen- bzw. Übereinandernähen der Muskel- und Bindegewebsschichten oder mit Netz durch Auflage und Aufnähen eines sich nicht auflösenden Kunststoffnetzes verschlossen.

2. Minimalinvasive Operationstechnik

Bei den minimalinvasiven Techniken wird die Bruchpforte immer mit einem Netz verschlossen. Es werden zwei Verfahren unterschieden:

a) TAPP-Technik
Das Netz wird laparoskopisch - d. h. über eine Bauchspiegelung unter Kamerasicht vom Bauchraum aus - über der Bruchpforte platziert. Hierbei wird das Bauchfell zur Platzierung des Netzes aufgeschnitten und anschließend wieder zugenäht. Bei dieser Technik ist gleichzeitig die Untersuchung des gesamten Bauchraums zum Ausschluss weiterer krankhafter Befunde möglich.

b) TEP-Technik 
Bei der TEP-Technik wird das Netz ebenfalls über minimalinvasive Zugänge durch aufgedehnte Schichten der Bauchdecke auf die Bruchpforte platziert. Eine Spiegelung vom Bauchraum aus entfällt.

 

Welche Vorteile zeigen Operationsverfahren mit Netz gegenüber Verfahren ohne Netz?

Durch die Einlage eines Kunststoffnetzes konnte eine Verringerung der Rezidivrate (erneuter Leistenbruch) von 50-70 % erzielt werden. Eine schnellere Schmerzfreiheit sowie deutlich weniger chronische postoperative Schmerzsyndrome sind weitere wichtige Vorteile.

 

Welche Vorteile der minimalinvasiven Verfahren gegenüber den offenen Operationsverfahren mit Netzimplantationen gibt es?

Wesentliche Vorteile stellen die schnellere Genesung und Belastbarkeit der Bauchdecke aufgrund geringerer postoperativer Schmerzen dar. Bei geringerer Rezidiv- sowie Komplikationsrate (ca. 1-2 % Komplikationsrate, Rezidivquote <2 %) im Vergleich zu offenen Netzverfahren zeichnen sich die minimalinvasiven Verfahren durch einen kürzeren Arbeitsausfall und weniger Schmerzzustände (<2 %) aus. Eine vollständige Belastbarkeit besteht im Normalfall bereits nach 2 Wochen. Nicht zuletzt wird durch die minimalinvasiven Zugänge auch ein ansprechendes kosmetisches Ergebnis erzielt.

Informationen für Ihre Gesundheit - Patientenfaltblatt Leistenbruch

Als Netze werden an unserer Klinik bevorzugt anatomische, seitenangepasste und geschlitzte Netze eingesetzt, die sich durch eine hervorragende Verträglichkeit auszeichnen.