Verstopfung ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Die normale Stuhlfrequenz variiert individuell extrem – von dreimal täglich bis dreimal wöchentlich. Hat eine Person weniger als dreimal pro Woche normalen Stuhlgang, spricht man von einer Verstopfung. Etwa 20 % der Bevölkerung leiden an Verstopfung. Trotzdem redet kaum einer gern über das Thema und das allgegenwärtige Schamgefühl führt dazu, dass viele Betroffene zur Selbstmedikation greifen, anstatt einen Arzt aufzusuchen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer (3:1). Die Betroffenen leiden meistens unter Völlegefühl und einem allgemeinen Unwohlsein. Der Bauch kann aufgetrieben erscheinen. Häufig ist der Stuhlgang erst durch z. T. heftiges Pressen möglich und ist schmerzhaft. Dabei entsteht oft ein Gefühl der nicht vollständigen Darmentleerung. Dies führt dann zu mehreren „Stuhlgangsversuchen“ am Tag. In einigen Fällen muss die Stuhlentleerung sogar digital (mit den Fingern) unterstützt werden (u. a. durch Druck auf den Damm oder die Scheide). Andere Symptome, die auftreten können, sind Blutungen beim Stuhlgang, Vorfall von Hämorrhoiden bis zum Mastdarmvorfall, unwillkürlicher Abgang von kleineren Mengen Stuhl (Stuhlschmieren) und ein Scheidenvorfall. Eine Verstopfung kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten sind funktionelle Störungen. Meist liegt die Ursache in einer Kombination aus zu geringer Flüssigkeitszufuhr, zu wenigen Ballaststoffen in der Ernährung und mangelnder körperlicher Bewegung. Besonders aufmerksam sollten Sie sein, wenn es bei Ihnen zu einer Verstopfung kommt, obwohl Sie normalerweise eine geregelte Verdauung haben. Dann kann die Verstopfung Folge einer Verengung des Darms sein. Die Ursachen dafür können z. B. Polypen, Divertikel oder Dickdarmkrebs (selten) sein. Bei Verstopfung liegt das Syndrom der obstruierten (blockierten) Defäkation vor (ODS).

Bei etwa jedem fünften der Patienten mit ODS handelt es sich um eine Form der Stuhlverstopfung, bei der die Stuhlentleerungsstörung im Vordergrund steht. Der Transport des Darminhalts bis in den Mastdarm (Rektum) ist dabei ungestört. Das Absetzen des Stuhls aus dem Rektum durch den After ist jedoch behindert. Bei dieser Art der Verstopfung fällt das Rektum in sich zusammen und bildet eine innere Einstülpung und/oder es kommt zu einer Ausbuchtung der Mastdarmwand, in der sich Stuhl fangen kann.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Verstopfung?

Änderung der Lebensweise

Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, Trinkmengen von zwei bis drei Litern pro Tag und körperliche Betätigung genügen oft, um Beschwerdefreiheit zu erzielen.

Konservative Behandlung

Gezielte Diäten mit natürlichen oder künstlichen Ballaststoffen. Spezielle Beckenbodenübungen zur Lockerung oder Festigung der Beckenmuskulatur durch einfache Turnübungen oder ein aufwendiges geräteunterstütztes Training (z. B. Biofeedback).

Chirurgische Behandlung

In bestimmten Fällen ist ein operativer Eingriff zur Behandlung einer chronischen Verstopfung notwendig. Beim oben beschriebenen Syndrom der obstruierten (blockierten) Defäkation (ODS) ist eine Operation erforderlich. Hier gibt es verschiedenste Techniken. Wir bevorzugen eine minimalinvasive Operationsmethode, die so genannte S.T.A.R.R.-Technik. S.T.A.R.R. ist die Abkürzung für „Staplerunterstützte Trans-Anale Rektum-Resektion“, bei der über den After (transanal) der defekte und blockierende Anteil des Mastdarms (Rektum) unter Verwendung von Klammernahtgeräten (Stapler) entfernt (reseziert) wird.

Die Operation kann sowohl in Rückenmarksbetäubung als auch in Vollnarkose durchgeführt werden. Die geringe Invasivität der Methode kommt dem Patientenkomfort (u. a. geringe Schmerzen, geringe Komplikationsrate, kein Bauchschnitt, kurzer stationärer Aufenthalt) zugute.