Achalasie oder diffuser Ösophagusspasmus ist eine seltene Funktionsstörung der Speiseröhre, die meist im mittleren Lebensalter auftritt. Bei dieser Krankheit fehlt die normale Erschlaffung des unteren Mageneingangs während des Schluckens. Schluckbeschwerden, Aufstoßen von Nahrungsresten und Völlegefühl sind die typischen Folgen. In den meisten Fällen ist die Ursache dafür unbekannt, selten kann sich auch ein Ösophaguskarzinom dahinter verbergen. Daher sollten die Symptome unbedingt durch eine Routinediagnostik inklusive einer Spiegelung, also einer endoskopischen Untersuchung der Speiseröhre, abgeklärt werden. Ursächlich besteht eine Schädigung des Nervengeflechts in der Speiseröhrenmuskulatur, dem Auerbach-Plexus. Hierbei fällt der untere Ösophagussphinkter aus. Die Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt. Wissenschaftler vermuten, dass virale Entzündungen oder Autoimmunprozesse diese Nervenzellen schädigen. In seltenen Fällen kann eine Achalasie auch die Folge eines Tumors des oberen Magenanteils (Kardiakarzinom) oder einer Infektion mit der Chagas-Krankheit, einer südamerikanischen Tropenkrankheit, sein.

Diagnostik

Auch bei dieser Erkrankung wird die Routinediagnostik mit einer Magenspiegelung begonnen. Unter Umständen weisen bereits Speisereste, Entzündungen oder eine sichtbare Verengung der unteren Speiseröhre auf eine Achalasie hin. Jedoch ist diese Untersuchung vor allem wichtig, um andere möglichen Ursachen für die Beschwerden, wie z. B. ein Karzinom, sicher auszuschließen. Eventuell werden bei dieser Untersuchung auch Gewebeproben (Biopsien) entnommen. Es schließt sich eine funktionelle Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln an. Dabei schluckt der Patient ein Kontrastmittel, so dass der Verlauf der Speiseröhre auf dem Röntgenbild sichtbar wird. Bei der Achalasie findet sich eine spitz zulaufende Enge am Übergang zum Magen. Je nach Stadium der Krankheit ist der Bereich der Speiseröhre oberhalb der Enge aufgeweitet. Der Mediziner nennt dieses Phänomen anschaulich „Sektglasform". Komplettiert wird die Untersuchungsreihe durch eine Manometrie. Hierbei wird eine Sonde in die Speiseröhre eingelegt und in mehreren Etagen der Druck im Ösophagus währen des Schluckaktes gemessen. Eine fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters beim Schlucken beweist eine Achalasie. Die Druckmessung ergibt Rückschlüsse auf die Peristaltik des Ösophagus. Je nach der Beweglichkeit unterscheidet man bei der Achalasie eine hyper, hypo und amotile Form.

Therapie

In der Behandlung der Achalasie stehen mehrere Behandlungstechniken zur Verfügung:
1. konservativ-medikamentös
2. interventionell (Aufdehnung mit einem Ballon)
3. operative Spaltung der unteren Speiseröhrenmuskulatur (Operation nach Heller)

1. Die konservativ-medikamentöse Therapie

Diese kann in Anfangsstadien die Beschwerden lindern. Die Arzneimittel werden etwa eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen und senken den Druck im unteren Ösophagussphinkter. Interessanterweise sind dies Mittel (Calciumantagonisten, Nitrate), die auch bei der Behandlung des arteriellen Hypertonus und der koronaren Herzkrankheit angewendet werden. Allerdings sind die Langzeitergebnisse der medikamentösen Therapie enttäuschend. Gelegentlich zwingen auch die Nebenwirkungen (u. a. Blutdrucksenkung, Schwindel, Kopfschmerzen) zum Absetzen des Medikaments.

2. Die interventionelle Behandlung

Bei dieser Methode wird ein Ballon in die Speiseröhre bis in den Magen eingeführt und damit der verengte Ösophagussphinkter mechanisch aufgeweitet. In vielen Fällen werden die Schluckbeschwerden damit über Monate gebessert. Dann muss eventuell die Dilatation wiederholt werden. Besonders im Kinder- und Jugendalter ist die Wirkung von Ballondilatation jedoch oft nur von begrenzter Dauer. Der Vorteil liegt darin, dass der Eingriff bei einer Spiegelung von Ösophagus und Magen durchgeführt wird und keine Operation notwendig ist. Allerdings beträgt die Komplikationsrate ein bis fünf Prozent. So ist es z. B. möglich, dass bei der Dilatation die Speiseröhre einreißt. In seltenen Fällen können Keime in den Brustraum gelangen und eine gefährliche Entzündung des Brustfells (Mediastinitis) hervorrufen. Durch die wiederholte Anwendung kann sich eine feste Vernarbung entwickeln, die sich für eine spätere Operation als ungünstig erweisen kann. Ein weiteres Verfahren besteht darin, über eine Magenspiegelung endoskopisch Botulinus-Toxin in den betroffenen Muskel einzuspritzen. Der Erreger Clostridium botulinum produziert eine hochgiftige Substanz, die den Botulismus, eine berüchtigte und gefährliche Lebensmittelvergiftung, beim Menschen auslöst. Spritzt man jedoch das verdünnte Toxin in den Ösophagussphinkter, werden die Nerven dort blockiert und der Verschlussdruck dauerhaft vermindert. Die Injektion wird während einer Spiegelung von Speiseröhre und Magen vorgenommen. Statistischen Erhebungen zufolge bringt diese Behandlung in ca. 70 Prozent der Fälle eine temporäre Besserung. Es lässt sich feststellen, dass, im Vergleich zur Ballondilatation, die Injektion von Botulinus-Toxin risikoärmer, aber statistisch weniger erfolgreich ist.

3. Die Operation (extramuköse Myotomie nach Heller)

Zu den Standardverfahren in der Behandlung der Achalasie gehört die 1903 von Heller eingeführte Operation, bei der die Muskulatur des unteren Ösophagussphinkters von außen aufgespalten wird. Während damals der operative Zugang über einen klassischen Bauchschnitt erfolgte, wird dieser Eingriff heute im Sinne der minimalinvasiven Chirurgie über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt. Alle Verfahren, die erfolgreich den Verschlussdruck im Sphinkter senken, können zur Folge haben, dass aggressiver Magensaft leichter in den Ösophagus dringt und eine Refluxkrankheit entsteht. Daher wird die Operation oft um eine so genannte Fundoplicatio ergänzt. Hier wird eine Muskelmanschette ringförmig um den oberen Magen gelegt, um einen Reflux dauerhaft zu verhindern.

Prophylaxe

Bei allen Verfahren sollten in der Nachsorge regelmäßige Kontrollendoskopien durchgeführt werden, da die Gefahr, an einem Ösophaguskarzinom zu erkranken, bei den betroffenen Patienten erhöht ist.