Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 25 000 Menschen an einem Lymphom – einer Krebserkrankung des Lymphsystems. Ein Teil der Betroffenen ist dabei noch unter 25 Jahre alt. Der jährliche internationale Welt-Lymphom-Tag am 15. September rückt diese oft unterschätzte und variantenreiche Tumorart in den Fokus. Doch mittlerweile ist die dazugehörige Botschaft eine zutiefst hoffnungsvolle: In kaum einem anderen Bereich der Onkologie vollzieht sich der Wandel weg von der klassischen, oft belastenden Chemotherapie hin zu hochpräzisen, modernen Immuntherapien so rasant wie bei Lymphdrüsenkrebs.
„Wir erleben derzeit eine schnell fortschreitende und vielversprechende Individualisierung der Krebstherapie“, erklärt Dr. med. Maika Klaiber-Hakimi, Oberärztin der Klinik für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin am Marien Hospital Düsseldorf. Sie ist ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet und unter Chefarzt Prof. Dr. med. Aristoteles Giagounidis Teil einer der größten Fachabteilungen der Region für die Behandlung von Lymphdrüsenkrebs.
„Über Jahrzehnte war die Chemotherapie die unangefochtene Säule der Behandlung. Heute können wir aber dank moderner Antikörpertherapien die Lymphomzelle gezielter attackieren und das Immunsystem der Patienten bei der Zerstörung der Zellen nutzen. Für viele Betroffene bedeutet das: bessere Heilungschancen bei deutlich weniger Nebenwirkungen.“
Maßgeschneiderte Therapien statt „Gießkannenprinzip“
Das Spektrum der neuen Optionen in der Pempelforter Klinik ist breit. Neben modernen Antikörper-Therapien, die sich wie „Zielsuchraketen“ an die Oberfläche von Tumorzellen heften, gewinnen sogenannte bispezifische Antikörper stark an Bedeutung. „Sie haben zwei anstatt nur einer Bindungsstelle und fungieren medizinisch gesehen wie eine Art Kupplung oder Brücke zwischen Immunabwehr und Krebszelle, so dass der Körper selbst gezielt den Krebs bekämpfen kann“, erklärt die Oberärztin. Da dieser Eingriff in das Immunsystem auch überschießende Reaktionen hervorrufen kann, findet die sensible Aufdosierung, Überwachung und Einstellung auf diese Therapie vor Ort am Marien Hospital statt. Später kann das Ganze dann ambulant weitergeführt werden.
Eine weitere neue Behandlungsmethode ist die CAR-T-Zell-Therapie (chimären Antigen Rezeptor T-Zellen).
Dabei werden wiederum Abwehrzellen des Patienten im Labor genetisch so umprogrammiert, dass sie nach der Rückgabe in den Körper quasi Jagd auf den Krebs machen. Diese Therapieform wird an zugelassenen Zentren – meist Universitätskliniken – durchgeführt. Bei der Entscheidung zu einer solchen Behandlungsmethode und dann auch bei der Vorbereitung kooperiert die Abteilung am Marien Hospital deshalb eng und vertrauensvoll mit den umliegenden Unikliniken. „Das Entscheidende an all diesen Verfahren ist, dass sie hochindividuell ansetzen“, betont Klaiber-Hakimi. Das klassische ‚Gießkannenprinzip‘ der Chemotherapie, das auch gesundes Gewebe stark angreift, werde in immer mehr Leitlinien durch diese intelligenten Mechanismen ersetzt oder ergänzt.
Das führt mittlerweile bei vielen Lymphomformen zu beeindruckenden Heilungschancen. Selbst bei Patienten, bei denen frühere Behandlungen versagt haben, können die neuen Methoden heute langanhaltende Remissionen erzielen, also Ruhephasen der Erkrankung.
Früherkennung ist trotzdem entscheidend: Die B-Symptomatik im Blick
Trotz aller therapeutischen Meilensteine bleibt der Faktor Zeit entscheidend. Zum Welt-Lymphom-Tag mahnt die Expertin daher auch zur Aufmerksamkeit gegenüber den körpereigenen Signalen. Da Lymphknotenschwellungen bei einem Lymphom im Gegensatz zu normalen Infekten meist schmerzlos sind, werden sie oft zu spät ernst genommen. „Achten sollte man auch auf mögliche weitere Symptome wie unklares, anhaltendes Fieber, ausgeprägter Nachtschweiß oder ungewollter, starker Gewichtsverlust innerhalb weniger Monate.“ Wer solche Zeichen über mehrere Wochen an sich beobachte oder schmerzlose Schwellungen etwa am Hals, in den Achseln oder der Leiste bemerke, sollte dies unbedingt zeitnah ärztlich abklären lassen. „Denn je früher wir die Erkrankung exakt typisieren, desto gezielter können wir die neuen, sanfteren Therapiemöglichkeiten einsetzen.“
Zusatzinformationen
Onkologische Versorgung am Marien Hospital Düsseldorf:
Die Abteilung für Hämatologie und Onkologie am Marien Hospital Düsseldorf unter Chefarzt Prof. Dr. med. Aristoteles Giagounidis bietet als Interdisziplinäres Onkologisches Zentrum Menschen mit Krebserkrankungen eine umfassende Behandlung – von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur Nachsorge. Neben der medizinischen Versorgung stellt die Klinik auch psychoonkologische und palliativmedizinische Begleitung. Aufgrund der hohen Spezialisierung erhielt die Klinik im Zuge der Krankenhausreform im vergangenen Jahr den größten Versorgungsauftrag für Blut- und Lymphdrüsenkrebs in der Region.
Was ist ein Lymphom?
Ein Lymphom ist eine bösartige Krebserkrankung des lymphatischen Systems. Sie entsteht, wenn bestimmte weiße Blutkörperchen (Lymphozyten) genetisch entarten und sich unkontrolliert vermehren. Da sich das Lymphgewebe im ganzen Körper befindet (unter anderem in Lymphknoten, Milz, Knochenmark und Mandeln), können Lymphome überall auftreten.
Medizinisch lassen sich Lymphome grob in zwei Hauptgruppen einteilen:
- Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin): Eine seltene Form, charakterisiert durch das Vorkommen spezifischer, riesiger Krebszellen (Reed-Sternberg-Zellen).
- Non-Hodgkin-Lymphome (NHL): Eine sehr große, vielfältige Gruppe von über 50 verschiedenen Subtypen. Sie werden unterteilt in indolente (langsam wachsende, chronische) und aggressive (schnell wachsende, akute) Formen.
Wer ist betroffen?
Lymphome können grundsätzlich in jedem Alter auftreten, zeigen aber je nach Form völlig unterschiedliche Altersschwerpunkte:
- Hodgkin-Lymphom: Diese Form betrifft auffallend viele jüngere Menschen und weist zwei Altersgipfel auf: den ersten bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren und einen zweiten bei älteren Menschen ab etwa 60 Jahren.
- Non-Hodgkin-Lymphome (NHL): Hierbei handelt es sich mehrheitlich um Erkrankungen des höheren Alters. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 73 Jahren und bei Männern bei 71 Jahren. Bestimmte aggressive Unterformen können jedoch auch Kinder und jüngere Erwachsene treffen.
Der Welt-Lymphom-Tag am 15. September soll die Aufmerksamkeit weltweit auf Krebserkrankungen des Lymphsystems lenken. Ziel ist es, die Bevölkerung über die oft unauffälligen Warnsignale aufzuklären und ein Zeichen der Solidarität mit Erkrankten und ihren Angehörigen zu setzen
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch unter:
- https://lymphomacoalition.org/world-lymphoma-awareness-day (Rund um den Aktionstag)
- Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. (Patientenratgeber & Selbsthilfe)
- Stiftung Deutsche Krebshilfe (Infomaterialien & Broschüren)
- Kompetenznetz Maligne Lymphome (Aktuelle Forschung & Studien)
Die Düsseldorfer Kliniken der Franziskus Stiftung – zu denen das Augusta-Krankenhaus, das Krankenhaus Elbroich, das Marien Hospital Düsseldorf, das St. Vinzenz-Krankenhaus und das Westdeutsche Diabetes- und Gesundheitszentrum gehören – bieten eine hochspezialisierte Gesundheitsversorgung für Düsseldorf und die Region. Von der Geburtshilfe bis zur Geriatrie: Mit rund 3.000 Mitarbeitenden, etwa 50 Fachkliniken und Kompetenzzentren sowie jährlich über 150.000 ambulant und stationär behandelten Patientinnen und Patienten zählt Franziskus Düsseldorf zu den größten Gesundheitsanbietern im Großraum Düsseldorf.
Die Mehrheitsgesellschafterin St. Franziskus-Stiftung Münster zählt zu den größten konfessionellen Krankenhausgruppen Deutschlands. Die Stiftung trägt Verantwortung für derzeit 18 Krankenhäuser sowie 42 Behinderten- und Senioreneinrichtungen, Medizinische Versorgungszentren, Reha-Zentren sowie Dienstleistungsgesellschaften in Nordrhein-Westfalen und Bremen Zuletzt hat die Franziskus Stiftung per Juli 2025 die Mehrheitsanteile an der Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf GmbH (VKKD) übernommen. In den Einrichtungen der Franziskus Stiftung werden jährlich über 720.000 Menschen stationär und ambulant behandelt, in den Langzeiteinrichtungen etwa 1.000 Menschen betreut. Rund 19.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für kranke, behinderte und alte Menschen. Der Vorstand besteht aus Dr. rer. pol. Nils Brüggemann (Vorsitzender), Dr. rer. pol. Christian Frank und Dr. med. Ulrich Knopp.
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